Von Steffen Greschner
Das Thema Live-Shopping wird zur ernsten Konkurrenz für bestehende Internetläden – und das mit nur einem Produkt pro Tag. Live-Shops bieten keine Auswahl, dafür aber unschlagbare Preise.
Es ist kurz nach 20.00 Uhr. In den Nachrichten eines Privatsenders wird gerade auf einen neuen Internet-Hype hingewiesen: „Live-Shops“. Das sind Internetläden mit nur einem einzigen Produkt pro Tag, das dafür bis zu 50 Prozent unter Ladenpreis. Wenn es auch vor dem Fernsehbeitrag kein Hype war – spätestens jetzt ist es einer: Wenige Minuten nach der Berichterstattung sind die Seiten der Live-Shopper Preisbock.de und Schutzgeld.de nicht mehr zu erreichen. Einzig das Online-Angebot von Guut.de hält dem Ansturm stand. „Wir waren absolut am Anschlag“, erklärt Robert Stephan, Geschäftsführer von Guut.de, „Innerhalb von nur fünf Minuten hatten wir über 10.000 Zugriffe auf unsere Seite.“
Sein Shop Guut.de ist seit letztem September online und zählt mittlerweile zu den drei größten deutschen Live-Shopping-Anbietern. Jeden Tag schauen bis zu 30.000 Surfer auf Schnäppchenjagd vorbei. In den ersten vier Monaten sind Waren für rund eine halbe Million Euro in die virtuellen Einkaufskörbe gewandert. „Es kommen täglich mehr Besucher. Mit so einem Ansturm haben wir ehrlich gesagt nicht gerechnet“, so der Geschäftsführer Robert Stephan.
Ein Schnäppchen – bis zum Ausverkauf
Die neuen Live-Shops, wie Preisbock.de, Schutzgeld.de und Guut.de, verfolgen alle das gleiche Prinzip. Und das ist wirklich einfach und schnell erklärt: „Es gibt täglich nur ein Produkt und das ist nur in begrenzter Stückzahl vorhanden“, so Christian Grötsch von Preisbock.de. „Die Schnäppchen-Preise sind durch den Abverkauf großer Mengen möglich“.
Dass die Anbieter mit diesem Konzept auf dem richtigen Weg sind, beweisen die Zahlen. Schutzgeld.de ist seit fast eineinhalb Jahren am Markt und hat mittlerweile über 18.000 20.000 registrierte Mitglieder. Anders als bei der Konkurrenz, ist war hier allerdings eine Registrierung Pflicht, um das Tagesangebot überhaupt zu sehen. Guut.de vermeldete schon im zweiten Monat nach der Gründung einen sechsstelligen Umsatz und Ausverkäufe bei jedem dritten Artikel. Bei Preisbock spricht man über „Besucherzuwächse von etwa 30 Prozent monatlich“, so Geschäftsführer Grötsch.
Im direkten Vergleich zu klassischen Web-Shops fällt besonders die hohe „Conversion Rate“ auf. Darunter versteht man den Anteil derer, die nicht nur schauen, sondern auch tatsächlich kaufen. Im Internethandel liegt der Anteil normalerweise zwischen einem und fünf Prozent – Live-Shops kommen teilweise auf bis zu zehn Prozent Käuferanteil. Günstige Preise reizen scheinbar zum Spontankauf.
Günstige Preise sind es schließlich, was die Schnäppchenjäger in den Live-Shops suchen. Oft genug werden sie fündig. Auf Guut.de gab es beispielsweise eine Samsung Digitalkamera für 149 Euro. Das sind immerhin fast 30 Prozent Ersparnis gegenüber dem günstigsten Web-Händler. Dort liegt die Kamera für rund 210 Euro im virtuellen Regal.
Verbraucherzentrale gibt grünes Licht
Wo tolle Schnäppchen winken, suchen viele nach dem bekannten Haken – besonders im Internet. Ronny Jahn von der Verbraucherzentrale Berlin beobachtet das Internet ganz genau. Jahn gibt als Jurist und Verbraucherschützer allerdings Entwarnung: „Die Verbraucherzentrale sieht bei diesen neuen Internetangeboten keinen Grund zu warnen. Es gibt aus unserer Sicht keinen Unterschied zu normalen Internetshops.“ Für die Verbraucher bedeutet das: Jedes noch so günstige Schnäppchen kann auch beim Live-Shoppen innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zurückgegeben werden. Jahn lobt dazu die Offenheit der Anbieter. So werden beispielsweise die Preisvergleiche der gängigen Suchmaschinen gleich zum Angebot mitgeliefert. „Im Vergleich mit den meisten Online-Händlern sind die Live-Shops fast immer günstiger“, so Verbraucherschützer Jahn.
Angeboten wird in den „1 Tag - 1 Produkt“-Shops übrigens fast alles: Elektroartikel, Haushaltswaren oder auch einfach mal echter Nippes. „Beim Live-Shopping geht es um Unterhaltung und die Spannung, was wohl als nächstes kommt“, so der Guut.de-Geschäftsführer. Spaß und Unterhaltung stehen auch bei den Mitbewerbern ganz oben: „Ich bin der Pate, wir sind Schutzgeld.de und unsere User die Gangmitglieder“, sagt Peter Faisst, auf dessen Homepage sich alles um das Thema Mafia dreht. Preisbock.de versucht seine Kunden regelmäßig mit einem selbst komponierten Liedchen zum Kauf zu überreden. Die User danken es mit reger Teilnahme und vielen Kommentaren in den Produktforen der Shops.
3,2,1… doch nicht meins!
„Schade, da hab ich heute nicht aufgepasst und schon kam mal wieder was, das ich bestellt hätte.“ Die Frustration ist dem Kommentar des Users „siro“ anzumerken. Heute gab es Kakteen im Glas - ein billiger Schlüsselanhänger, in dem eine Pflanze wächst. Brauchen tut das niemand. Ausverkauft ist es trotzdem. Und im Produktforum kommen bis zum Abend über 100 Kommentare zusammen. Da wird genörgelt und genölt. Gejubelt und gestritten. Jeder hat hier was zum Tagesangebot zu sagen. „Bei uns geht es eben nicht nur ums Verkaufen. Unsere User tauschen sich untereinander aus. Sie geben sich gegenseitig Tipps und liefern uns sehr viele neue Ideen“, sagt Stephan, Geschäftsführer von Guut.de.
Genau das ist es auch, was Live-Shopping von herkömmlichen Web-Shops unterscheidet: Eine Community mit Unterhaltung und Spaß. Das lockt immer mehr Menschen in die neuen Live-Shops. Und immer mehr Anbieter versuchen ihr Glück in der jungen Branche. Neben den drei großen gibt es mittlerweile rund ein Dutzend weitere Anbieter für das neue Spaß-Shoppen im Internet.
Die Live-Shopping Anbieter:
Hallo zusammen,
heute gibt´s ein Überraschungs-Guut bei guut.de! Was ist da wohl drin?! Ich weiß es…
Miträtseln ist angesagt!
Tim - www.guut.de
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